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Das wohl gewagteste Biopic überhaupt: „Michael“ startet heute im Kino – doch wird der Film dem King of Pop gerecht?
Foto #18545 22 Aprile 2026, 12:15
(Bildquelle: IMAGO / Landmark Media / Lionsgate)

„Michael“ wagt das Unmögliche: das Leben von Michael Jackson für die große Leinwand zu inszenieren.

Wie erzählt man das Leben eines Künstlers, der für viele bis heute als der größte Entertainer aller Zeiten gilt? Genau an dieser Mammutaufgabe versucht sich jetzt „Michael“, das Biopic über den King of Pop Michael Jackson, das heute im Kino startet. Auf dem Regiestuhl saß Antoine Fuqua („Training Day“) und produziert wurde das Ganze von „Bohemian Rhapsody“-Macher Graham King. Besonders spannend: Michael Jackson wird von seinem Neffen Jaafar Jackson gespielt.

Schon vor dem Start war klar: Dieses Projekt wird polarisieren. Zu groß ist der Mythos, zu komplex die Person dahinter. Wie will man einer Ikone wie Michael Jackson gerecht werden – und gleichzeitig auch die schwierigen Kapitel seines Lebens erzählen?

Bevor ich zu meiner Kritik komme, ein kurzer Disclaimer: Zum Zeitpunkt von Michaels Tod stand ich kurz vor meinem achten Geburtstag. Eigene Erinnerungen an ihn zu Lebzeiten habe ich also nur wenige. Mein Wissen stammt daher vor allem aus meinem familiären Umfeld, der Popkultur und dem Internet.

Um es anders zu formulieren: „Smooth Criminal“ gehört für mich zu den besten Songs aller Zeiten und das „Thriller“-Musikvideo ist ein filmisches Meisterwerk (besonders als Horror-Fan) – dennoch bin ich keine Expertin, sondern eher ein Gelegenheitsfan. Und genau das ist für meine Perspektive entscheidend, denn der Film richtet sich weniger an ein allgemeines Publikum als klar an eingefleischte MJ-Fans.

Einen ersten Einblick in „Michael“ gewährt euch dieser Trailer:

» Video ansehen: Michael - Trailer Deutsch

„Michael“ erfindet das Rad leider nicht neu

Als reines Filmerlebnis funktioniert „Michael“ erstaunlich gut. Der Aufstieg vom Kinderstar zur globalen Ikone ist packend inszeniert und für zwei Stunden schafft es der Film mühelos, Michael Jackson als das zu zeigen, für das er besonders bekannt war: ein Ausnahmetalent, ein Performer, der seinesgleichen sucht.

Doch es ist ein Biopic – und als solches muss es sich messen lassen. Anders als Filme wie „Rocketman“ oder „Better Man“, in denen Elton John oder Robbie Williams selbstkritisch mitwirkten und kreative Brüche zugelassen wurden, oder Biopics wie „Walk the Line“ oder „Like a Complete Unknown“, die auf literarischen Vorlagen basieren, steht hinter „Michael“ die Familie des Sängers und das Jackson Estate – ähnlich wie bei „Elvis“. Das sorgt für Nähe, aber eben auch für eine gewisse Zurückhaltung, wenn es um kritische oder unbequeme Themen geht.

Normalerweise nehme ich aus Biopics neue Erkenntnisse mit. Wie gesagt, ich bin keine MJ-Expertin – selbst der Pepsi-Vorfall war mir neu. Doch genau hier bleibt der Film oft an der Oberfläche. Vieles wirkt wie Informationen, die man auch problemlos bei Wikipedia nachlesen könnte.

Spannender wäre die Frage gewesen: Wer war der Mensch hinter dem Mythos? Themen wie familiäre Spannungen, Einsamkeit oder seine Unsicherheiten in Bezug auf sein Aussehen werden zwar angerissen, aber nicht wirklich vertieft.

Michael-Jackson-Fans können dennoch auf ihre Kosten kommen

Am stärksten ist der Film für mich, wenn er sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen konzentriert und fast schon zum Familiendrama wird. Besonders die Dynamik innerhalb der Familie bleibt hängen – hier liefern auch die Darsteller*innen Colman Domingo („Sing Sing“) als Joseph Jackson und Nia Long („Der Prinz von Bel-Air“) als Katherine Jackson überzeugend ab.

Apropos Schauspiel: Jaafar Jackson hat mich positiv überrascht. Meine Kritik an der Darstellung von Michael liegt eher im Drehbuch als bei ihm. Er schafft es, nicht wie eine bloße Imitation zu wirken, sondern mit der Film-Figur zu verschmelzen. Gerade in den „Billie Jean“- und „Bad“-Szenen bringt er die Essenz von Michaels Performertalent eindrucksvoll zur Geltung. Dafür, dass es sich um sein Schauspieldebüt handelt, ist das mehr als beachtlich.

Das größte Highlight sind jedoch ganz klar die Musiksequenzen: die Entstehungen der Kurzfilme von „Thriller“ und „Beat It“, „Billie Jean“ bei „Motown 25: Yesterday, Today, Forever“ sowie „Bad“ im Wembley Stadium. Wer Wert auf ein intensives Kinoerlebnis legt, sollte den Film unbedingt in einem Saal mit guter Soundanlage sehen. In meiner Vorstellung vibrierte der ganze Raum wie bei einem Konzert – für einige Minuten konnte ich völlig darin eintauchen.

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Mein Fazit zu „Michael“: Der Film unterhält und in Bereichen wie Performances, Kamera, Choreografie sowie Kostüm, Maske und Sound liefert er stark ab. Doch wie erwartet zeigt sich auch: Ein Biopic über Michael Jackson bleibt ein nahezu unmögliches Unterfangen. Vielleicht unterstreicht genau das aber auch, was für ein außergewöhnliches Phänomen er war – und bis heute ist.


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