07 April 2026, 12:15 
Beide Reihen erzählen von Kindern in magischen Welten – und könnten trotzdem kaum unterschiedlicher sein. Warum Philip Pullman „Narnia“ so scharf kritisiert.
Zwei Fantasy-Welten mit erstaunlich vielen Gemeinsamkeiten
Auf den ersten Blick wirken „His Dark Materials“ und „Die Chroniken von Narnia“ erstaunlich ähnlich. Beide Geschichten stellen Kinder ins Zentrum, die in fantastische Parallelwelten eintauchen und dort große Abenteuer erleben.
Es gibt sprechende Tiere, moralische Konflikte und einen klaren Kampf zwischen Gut und Böse. Auch die Reise der jungen Figuren – vom unschuldigen Kind hin zu einer gereiften Persönlichkeit – ist in beiden Werken ein zentrales Element. Doch damit enden schon die Gemeinsamkeiten.
Ihr habt „His Dark Materials“ nur bis zur zweiten Staffel gesehen? Das Video verrät euch, was ihr im dritten Durchgang erwarten könnt.
» Video ansehen: His Dark Materials Staffel 3 – Trailer Englisch
Der entscheidende Unterschied: Religion und Weltbild
Der größte Unterschied liegt im ideologischen Kern der Geschichten. „Die Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis sind stark von christlichen Motiven geprägt. Figuren und Handlungsstrukturen lassen sich teilweise als religiöse Allegorie lesen.
„His Dark Materials“ geht bewusst in die entgegengesetzte Richtung. Pullman stellt Autoritäten – insbesondere religiöse Institutionen – kritisch dar und thematisiert Fragen von Freiheit, Wissen und Selbstbestimmung. Seine Geschichte ist weniger eine klassische Gut-gegen-Böse-Erzählung, sondern beschäftigt sich stärker mit moralischen Grauzonen und persönlicher Verantwortung.
Was Philip Pullman über „Narnia“ sagt
Philip Pullman hat seine Kritik an „Narnia“ mehrfach sehr deutlich formuliert. So bezeichnete er laut ABC die Bücher als „Propaganda im Dienste einer lebensverachtenden Ideologie“. Er erklärte sogar, er hasse die Reihe „mit einer tiefen und bitteren Leidenschaft“.
Sein Hauptkritikpunkt richtet sich gegen das Weltbild der Bücher. Pullman wirft ihnen vor, eine ablehnende Haltung gegenüber der realen Welt zu vermitteln. Im Guardian bezeichnete Pullman die „Narnia“-Reihe, insbesondere ihre christlichen Allegorien, als „ekelerregenden Unsinn“ und machte seine Abneigung gegen „den Rassismus und die schiere Unaufrichtigkeit der Erzählweise“ unmissverständlich deutlich.
„Die Chroniken von Narnia": Die richtige Reihenfolge
„His Dark Materials“ als bewusstes Gegenmodell
Pullmans eigene Reihe ist bewusst als Gegenentwurf angelegt. Seine Geschichten stellen Neugier, Erkenntnis und persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt. Statt Unschuld zu bewahren, geht es darum, Erfahrungen zu machen und Verantwortung zu übernehmen.
Auch Themen wie Wissenschaft, Bewusstsein und individuelle Freiheit spielen eine deutlich größere Rolle. Viele Leser sehen „His Dark Materials“ deshalb als eine Art „Anti-Narnia“ – eine Geschichte, die ähnliche Motive nutzt, aber völlig andere Antworten gibt.
Die Adaptionen von „His Dark Materials“: Serie und Film
Pullmans Werke wurden mehrfach adaptiert. Besonders bekannt ist die Serie „His Dark Materials“, die die Geschichte über mehrere Staffeln hinweg umsetzt und dabei näher an den Büchern bleibt. Zuvor erschien bereits der Film „Der Goldene Kompass“, der auf dem ersten Band basiert.