15 Februar 2026, 12:15 
Die neue KI-Software Seedance 2.0 von TikTok-Entwickler ByteDance sorgt derzeit mit hyperrealistischen Videoclips für Aufsehen. Disney hat bereits reagiert.
Hollywood ist dieses Mal wohl wirklich zu spät dran: Seit über 30 Jahren wartet das Kinopublikum auf die Reunion der beiden Superstars Tom Cruise und Brad Pitt auf der großen Leiwand, seit sie mit „Interview mit einem Vampir“ für Furore gesorgt haben, den ihr in der 20th-Anniversary-Edition über Amazon auf Blu-ray erhaltet.
Was Hollywood in all der Zeit seither nicht zustande bekommen hat, das ist nun dem neuen KI-Generator Seedance 2.0 von TikTok-Entwickler ByeDance gelungen. Vor wenigen Tagen erst hat der chinesische Software-Riese das Tool veröffentlicht, mit dem es geradezu kinderleicht gelingt, fotorealistische Videoclips zu erstellen.
Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei ein Clip von Ruairi Robinson, das er nach eigenen Angaben mit wenigen Vorgaben erstellen lassen hat. Darin ist zu sehen, wie sich computergenerierte Doppelgänger von Brad Pitt und Tom Cruise auf einem Dach einen Kampf liefern. Dabei ist auch ein offensichtlich sarkastischer Dialog zu hören, der deren Originalstimmen ziemlich passend emuliert:
Jeffrey Epstein knew too much pic.twitter.com/12u8PQH9nt
— Ruairi Robinson (@RuairiRobinson) February 11, 2026
Abgesehen vom Dialog ist dieser Videoclip verdammt realistisch gehalten. Wüsste man es nicht besser, könnte das tatsächlich aus einem Hollywood-Film stammen oder aus einem Werbeclip etwa für die alljährliche Sportveranstaltung Super Bowl. Gerade Hollywoodstars sind bekannt dafür, im Rahmen dieses Events in teuren Videoclips aufzutreten.
Die findige KI-Community lässt gar tote Superstars wie Bruce Lee wiederauferstehen und gegen Comic-Ikonen wie Captain America und Martial-Arts-Superstar Jackie Chan antreten:
Tatsächlich sind Jackie Chan und Bruce Lee in zwei Produktionen der Martial-Arts-Legende vor der Kamera zu sehen: in „Todesgrüße aus Shanghai“ und „Der Mann mit der Todeskralle“, in denen Jackie Chan als junger Stuntman seine ersten Schritte im Filmgeschäft machen durfte. Aber wir wissen natürlich, dass Bruce Lee 1973 gestorben ist. Beim Clip mit Tom Cruise und Brad Pitt sieht das dagegen ganz anders aus.
War es das mit Stuntteams wie von Jackie Chan und von den „John Wick“-Schöpfern?
Das deutet auf eine düstere Zukunft für ein ganz spezifisches Handwerk innerhalb der Filmindustrie: die der Stuntleute. Wenn künstliche Intelligenz wie Seedance 2.0 in der Lage ist, computergenerierte Abbilder von Stars so zu generieren, dass es kaum mehr auffällt, wenn nicht die lebendigen Persönlichkeiten vor der Kamera agieren, dann kann man gefährliche Stunts und Kampfszenen von der Software generieren lassen. Stuntleute und ihre gesamte Teilbranche der Actionchoreographie wären damit obsolet.
Nicht wenige Stuntleute mussten in der langen Geschichte des Films ihr Leben lassen für die Kunst, selbst Stars wie Jason Statham wären beinahe bei Dreharbeiten gestorben:
» Video ansehen: 7 Filmstars, die fast beim Dreh gestorben wären
Versteht mich nicht falsch, niemand sollte das eigene Leben für die Kunst riskieren (müssen), aber das wäre einmal mehr eine Profession, die von KI und Maschinen ersetzt würde. Künstliche Intelligenz sollte genutzt werden, um Fortschritte in Bereichen zu machen, die für den Menschen unmöglich sind; auf essenziellen Gebieten wie der Medizin, der Weltraumforschung und im Umweltschutz – nicht in der Kunst.
Disney und SAG-AFTRA verurteilen die neue KI-Software von ByeDance
Die US-amerikanische Schauspiel-Gewerkschaft Screen Actors Guild-American Federation of Television and Radio Artists (SAG-AFTRA) hat in einem Statement bereits reagiert. Man verurteile die Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch die Software von ByeDance. Diese „untergräbt die Fähigkeit menschlicher Künstler*innen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen“.
Erst 2023 bestreikten SAG-AFTRA und die Gewerkschaft der Autor*innen Writers Guild of America (WGA) über Monate die Traumfabrik. Zu den Forderungen gehörte auch ein verantwortungsvoller Umgang mit KI sowie die Zustimmung und Beteiligung der Mitglieder am generierten Umsatz mit ihren Konterfeis.
Disney geht noch einen Schritt weiter und hat direkt eine Unterlassungserklärung an ByeDance verschickt. Dabei geht es dem Unterhaltungskonzern aber weniger um die Wahrung der Kunst, sondern mehr um die Rechte; auch Google erhielt ein ähnliches Schreiben, während mit OpenAi sogar ein Deal über drei Jahre ausgehandelt wurde.
Klar ist, Seedance 2.0 war nicht die erste und wird nicht die letzte KI-Software sein. Der Fortschritt auf diesem Gebiet – und in vielen weiteren des täglichen Lebens – ist nicht aufzuhalten und stellt nicht nur viele Leute aus der Unterhaltungsbranche vor eine ungewisse Zukunft.